Kreativ

Published on Oktober 5th, 2018 | by RM

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Ungewöhnliche Fashion-Kulisse

Als Erfolg verbucht: Vom 8. bis zum 22. September zeigten sich beim neuen und andersartigen Modefestival “Peaky’s Fashion Fairy Tale” junge ModeschöpferInnen und Labels aus dem ganzen Ruhrgebiet in außergewöhnlicher Kulisse. In der unteren Fußgängerzone von Herten fanden sich Designmarkt, Laufsteg und Pop-Up-Stores.

Nein, das Kreativ.Quartier Herten ist nicht die KÖ in Düsseldorf. Nicht mal die Königsallee in Bochum. Und doch kamen fast 20 Modelabels und -macherInnen unterschiedlichster Art aus dem ganzen Ruhrgebiet drei Wochen lang her. Ihnen bot sich auch keine große Bühne, nur ein Stück “vergessene” Fußgängerzone und zwei leerstehende Läden. Ein Stadtumbaugebiet, von den einen gemieden, für die anderen eine Chance fürs kleine Geld.

Zwischen Spielhalle, syrischem Gemüsemarkt und 50er-Jahre-Eisdiele, zwischen Gründerzeit-Fassaden und Klinkerbau: In dieser einzigartigen Szenerie präsentierten sich die individuellen jungen Labels wie 7slim fashion, Fisch&Apfelmus, Kitoks MMXV, Karma Killss Stud:os oder JotJot Fashion in zwei Pop-Up-Stores unter der Woche und an drei Aktionssamstagen. Ziel war es allem voran, die jungen Kreativen untereinander zu vernetzen. Was sich daraus ergibt, auch für den Standort Herten, wird sich zeigen. Highlight dabei war die Fashionshow am 15. September, mitten auf der Fußgängerzone. 25 Laien- und Profimodels zeigten die Kollektionen der Labels. Unter anderem begleitet von Rock-Hits interpretiert von Sängerin Yvonne Rüller (Ex-The Voice of Germany) oder Swing-Klassikern gesungen vom Briten Charles Moulton (Musiktheater im Revier Gelsenkirchen). Der 78-jährige italienische Eismann von nebenan tanzte ausgelassen dazu, ebenso wie die syrische Gemüsefrau.

“Der Punk ist die Quelle der Inspiration”

So ungewöhnlich diese Szenerie für eine hippe Fashionshow im ersten Moment anmutet, so passend war sie irgendwie. Die Impulse der jungen Designer-Generation aus dem Ruhrgebiet sind geprägt durch solche Lebensrealitäten in den Städten und Vorstädten, durch ihre unterschiedlichen Lebensstile, Herkünfte und Erfahrungen. „Es war ein Geschenk für die Modeszene der Region“, resümiert Dr. Siegbert Panteleit, der als Stadtentwickler am Standort tätig ist und das Modefestival mitinitiiert hat. „Die Outfits dieser kleinen individuellen Labels dokumentieren, neben dem unermesslichen Ideenreichtum, den Willen zum Aufbau neuer Arbeits- und Geschäftsfelder. Wir brauchen in der breiten Öffentlichkeit mehr Wertschätzung der kreativen Entwicklungen in der vermeintlichen Peripherie, in den Vorstädten und marginalisierten Stadtquartieren. Der Erfolg der Peaky Show gibt Mut. Hieraus kann ein Exportschlager aus dem Kreativ.Quartier Herten werden. Der Punk ist die Quelle der Inspiration. Standorte wie Herten können in kreativen Prozessen Impulse für Innovationen liefern, Berlin oder Düsseldorf sind Mainstream. Nur wo es Brüche gibt, breitet sich so etwas aus.“

Konzept kann zukunftsweisend für Innenstädte sein

Seit über fünf Jahren betreibt die Stadt Herten das Stadtentwicklungsprojekt „Kreativ.Quartier Herten“. Durch Ansiedlungen aus der Kreativwirtschaft soll der Strukturwandel in der südlichen Innenstadt und dem Stadtteil Herten-Süd vorangetrieben werden. Herten ist damit Teil des ruhrgebietsweiten Projekts Kreativ.Quartiere Ruhr, das von der EU und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert wird. Die zentrale Institution dafür ist das im Dortmunder U sitzende european center for creative economy (ecce), das jetzt auch das Modefestival „Peaky’s Fashion Fairy Tale“ unterstützt hat.

Dementsprechend dient das Event nicht nur einem Selbstzweck, sondern auch der Standortentwicklung. „Mit Konzepten wie Pop-Up-Stores und temporären Veranstaltungen wie dieses Modefestival, kann man Innenstädte heute noch wiederbeleben“, so Panteleit weiter. „Das Wichtigste für uns hierbei sind nämlich die Geschichten, die wir damit erzählen, die Bilder, die wir in den Köpfen erzeugen. Das Erlebnis ist der Unterschied zum Einkauf bei Zalando oder Amazon. Läden werden da überleben, wo ein Erlebnis vermittelt wird.“


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