Kreativ

Published on April 20th, 2016 | by RM

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Syrische Modedesigner wollen sich Existenz im Kreativ.Quartier Herten aufbauen

Wenn es nicht so tragisch wäre, passte es perfekt: Jwan und Mahmood Al Salim sind mit ihrer Familie vor dem syrischen Bürgerkrieg aus ihrer Heimat geflohen. Gelandet sind sie ausgerechnet im Kreativ.Quartier Herten und möchten sich hier wieder eine selbstständige berufliche Existenz aufbauen.

Wie ihre fünf Brüder und fünf Schwestern sind Jwan und Mahmood in Damaskus aufgewachsen. Fünf Geschwister der Familie absolvierten in ihrer Heimat eine praktische Schneiderausbildung und stiegen danach in die Modeproduktion ein. Sie entwarfen und produzierten vorwiegend Damenmode nach eigenen sowie nach Entwürfen internationaler Modelabels. Kreativität liegt in der Familie. Neben der Mode malt einer der Brüder leidenschaftlich mit Öl oder Acryl, und zeichnet filigrane Grafiken, die an japanische Tuschezeichnungen erinnern. Eine der Schwestern entwirft moderne Kindermode in leuchtenden Farben und mit raffinierten Schnitten.

Diese Talente sind nun nach ihrer Flucht vor dem Bürgerkrieg in Syrien bei uns im Kreativ.Quartier Herten auf der Ewaldstraße angekommen. Vielleicht genau der richtige Zufall. Zurzeit wird in dem gemeinsamen Wohnzimmer im Haus auf der Ewaldstraße für den Eigenbedarf der Familie und Verwandtschaft produziert. Auf zwei Ständern hängen Kleider, Hosen und Jacken, die in den letzten Wochen von den Brüdern und Schwerstern auf einfachen Haushaltsnähmaschinen gefertigt wurden. Es sind prächtige Festtagskleider, bunte Sommerkleider und modische Hosen. In Syrien verfügte die Familie allerdings über eine professionelle Ausstattung, mit der für einzelne Auftraggeber bis zu 1.000 Kleider genäht wurden. Das alles mussten sie in ihrer Heimat zurücklassen.

Dennoch will die Familie sich vom Schicksal nicht beuteln lassen und sich in Herten wieder eine selbstständige berufliche Existenz aufbauen. Sie hat das Ziel hier ein kleines Modeunternehmen zu gründen, das zukünftig ihren Lebensunterhalt sichern soll. Geschäftszweck soll der Entwurf, die Fertigung und der Vertrieb von Mode für eine junge, urbane Zielgruppe sein. Schwerpunkte könnten Kleider und Hosen für junge Frauen und Männer sein, in geringerem Umfang auch hochwertige Festtagskleidung und Kinderkleidung.

Dazu haben sich die Al Salims bereits eine Nähmaschine gekauft. In nächsten Schritt stehen die Anmeldungen bei den Ämtern sowie die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten an. Ganz ohne finanziellen Anschub wird das alles aber nicht gehen. Aktuell lotet die Familie, gemeinsam mit dem Stadtentwicklungsteam Herten-Süd aus, welche Fördermöglichkeiten es geben könnte. Auch über Sachspenden oder gebrauchte Geräte zu einem guten Preis wären alle Beteiligten dankbar. Wer also Näh-Ausrüstung abzugeben hat oder jemanden kennt, kann sich gerne hier über das Blog oder unter kqherten@gmail.com melden.


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