Herten-Süd

Published on August 2nd, 2015 | by RM

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Die jüdische Geschichte des Hertener Kreativ.Quartiers

Die Ewaldstraße im Wandel der Zeit: Was heute zum kreativen Viertel der Stadt entwickelt wird, war einst vor allem der Flanierboulevard der Bergarbeiter. Aber auch viele jüdische Einwohner von Herten prägten hier bis zum Zweiten Weltkrieg das Bild. Ihr Schicksal und Andenken geraten heute leider oft in Vergessenheit.

Die Ewaldstraße war das Viertel der ehemaligen Bergarbeiter der Zeche Ewald. Diese Geschichte ist in Herten und Umgebung weitestgehend bekannt. Hier wohnten die “Kumpel” und ihre Familien, kauften ein, trafen sich oder besuchten Gaststätten. Die historische Bedeutung der Ewaldsstraße war seit Ende des 19. Jahrhunderts bzw. Beginn des 20. Jahrhunderts aber ebenso eng mit der jüdischen Mittelschicht der Stadt verknüpft.

Im Zuge der industriellen Erschließung und des Wachstums zu dieser Zeit, zogen viele jüdische Kaufleute aus der näheren Umgebung oder auch aus ganz Deutschland nach Herten. Speziell auf der Ewaldstraße ließen sie sich mit ihren Geschäften nieder. Beispielsweise war das Ladenlokal in der Ewaldstraße 50 bis 1936 das Textil- und Manufakturwarengeschäft der jüdischen Familie Simmenauer – damals eins der größeren Kaufhäuser in Herten. Die alte Struktur der Immobilie lässt sich vom Hinterhof aus noch gut erkennen, wie unser Foto zeigt.

Mit der Machtergreifung der Nazis wurden auch die meisten Juden Hertens und der Ewaldstraße grauenhaft verfolgt und schließlich in den Konzentrationslagern ermordet. Auch die Familie Simmenauer war davon betroffen. Im Zuge der sogenannten “Arisierung” jüdischer Geschäfte wurden die Geschwister Bernhard und Johanna Simmenauer, die nach dem Tod ihrer Eltern Inhaber des Kaufhauses waren, gezwungen, ihr Objekt zum Spottpreis zu verkaufen. Während ihnen noch im selben Jahr die Flucht nach Palästina gelang, wurden viele ihrer Verwandten und Mitarbeiter in den Konzentrationslagern im besetzten Polen ermordet.

Das Aktionsbündnis gegen Neofaschismus hat 1998, zum 60. Jahrestag der Pogromnacht der Nazis gegen die Juden in Deutschland, relativ umfangreiche Materialien zur Geschichte der Hertener Juden erarbeitet. Neben den Simmenauers wohnten und arbeiteten auf der Ewaldstraße unter anderem noch die Familien Abraham (Ewaldstraße 18, 1942 deportiert nach und ermordet in Riga), Israel (Ewaldstraße 24, Minna Israel wurde im Alter von 79 Jahren deportiert und starb im KZ Theresienstadt), Jacoby (Ewaldstraße 70, Simon Jacoby wurde nach Riga deportiert und dort ermordet), Rosenthal (Ewaldstraße 28), Ständig (Ewaldstraße 39) oder Kohn (Ewaldstraße 19).

 


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